Liebhaber des Mainstreams erleben ihren Schreck und zwar mit der absolut unkonventionellen und Anti-Mainstream Künstlerin Speedy Justices. Ihr neustes Album I Love You befasst sich thematisch mit physischen- und seelischen Krankheiten und ist somit ein Konzeptalbum, bei welchem es weniger rein um die musikalische Ausrichtung geht, sondern vielmehr um das Gesamtkonzept. Speedy Justice ist avant gardistisch, kunstvoll und experimentell und kann hinsichtlich des dargebotenen Genres Als eine Mischung aus Industrial, Noise., aber auch als Latin Jazz angesehen werden. Speedy Justice beweist hierbei durchaus, das experimentelle Konzepte und musikalische Tradition, sowie musikalisches Können durchaus Hand in Hand gehen können.

Wer das Ganze oberflächlich betrachtet und nicht in die Materie auftaucht, wird damit nichts anfangen können. Aufgeschlossene Musikliebhaber, werden jedoch sofort feststellen, was Speedy Justice mit ihrem neuen Album I Love You ausdrücken möchte. Laut eigenen Angaben, macht sie diese Musik für Menschen, welche sich im großen Leid befinden und eine Ausflucht daraus benötigen. Als eine Art der neuzeitlichen toxischen sozialen Gepflegenheiten, die sich vorallem durch Negativität auszeichnet.  Mit ihrer Musik möchte sie auf die seelische Gesundheit der Menschen aufmerksam machen und somit handelt es sich bei ihrer Musik um ein wichtiges Vehikel um wichtige Botschaften an den Menschen heranzutragen.

Krebs ist Scheiße und eine schleichende Krankheit, die man nicht selten erst dann bemerkt, wenn es zu spät ist. Und so unangenehm, wie dieses Thema ist, ist auch der rauschende Noise Sound, welchen Speedy Justice auf diesem Werk ihrem Publikum präsentiert. Psychotische Klänge, kombiniert mit einem ordentlich punchigen Drumbeat im Lo-Fi Sound, bei welchem das Arrangement von einem distortion-Grundrauschen geziert wurde. Hierbei merkt man direkt, was Speedy Justice als Künstlerin ausdrücken wollte. Zwischendrin kommen dann zu der psychotischen Stimmung dann auch noch der klargesang einer Frau zum Einsatz. Alzheimer ist eine schlimme Krankheit, die jeden Menschen treffen kann! Die Demenz lässt die Menschen in Angst und Schrecken vor dem Vergessen und dem vor sich hinvegetieren verfallen. Und genauso klingt auch das lärmende Arrangement des Titels, welcher hier wirklich pur als Noise bezeichnet werden könnte.

Anders verhält es sich dann mit Heroin Einem Sound, der wohl die gleiche Droge zum Thema hat. Gitarrenklänge, die man als „spanisch“ bezeichnen könnte, leiten den Song ein, bis diese dann von einem Verkehrslärm und einem Synthesizersound unterbrochen werden. Es klingt in der Tat ein wenig so, als wollte Speedy Justice auf die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber Junkies aufmerksam machen, welche die Hilfe der Menschen bitter nötig hätten. Ein Latin-Jazz Arrangement aus entsprechenden Schlagzeug- und tanzbar groovenden Bassparts bilden das Grundgerüst für diesen Song, Ab rund einer Minute hört man die von Michael Jackson ’s Thriller bekannte Lache von Vincent Price. Es wirkt so, als solle dies auf den Wahnsinn hinweisen, welchen die Heroinabhängigkeit mit dem Süchtigen anstellt. Kurz Darauf hält der ordentlich verzerrte und lärmende Noise-Anteil in rhythmischer Fraktion wieder ördentlich Schall. Wuchtige und verzerrte Drums zieren das Arrangement der Nummer und verdecken alles in einer Schallexplosion, wie sie wohl zwanzig Atombomben gleichzeitig aus den Boxen kommen lässt. Ehe es dann mit Panic Attack einfach grenzgenial passend weitergeht. Wie bei einer Panikattacke, bei welcher dein Puls zum Rasen beginnt, kommt Speedy Justice mit ordentlicher Geschwindigkeit und einem wirren Soundkonzept um die Boxen,  das sich unvorhergesehen in seinem Tempo und der klanglichen Ästhetik rapide ändert. So ändert sich der Takt einfach und Speedy Justice spielt plötzlich ein interessant flüssiges Konzept mit rhytmischen Ethnoklängen nieder, dessen Ende man als Sonnenstrahlen nach dem Sturm betiteln könnte: Auf jede Panikattacke folgt auch wieder der Zustand der Ausgeglichenheit und so klingt das Arrangement, welches Speedy Justice auf Panic Attack zum erklingen bringt.

Verzerrte Drums kündigen The Amount Of More You Can Take an und der Name scheint hier durchaus Programm zu sein. Was kann ein Mensch aushalten? Auch wenn wir robust sind, irgendwann zerbrechen wir. So lässt sich das verzerrte und mit mächtig Distortion geschwängerte Arrangement, welches durch seinen Synthesizersound höchst interessant aus den Boxen tönt interpretieren. Speedy Justice liefert hier einen Mix aus Noise und Industrial, der nicht nur düster, sondern ordentlich hart ist und der mit interessanten Klangfarbverläufen, die fließend ineinanderübergehen um die Ecke kommt, ehe es dann ohne Vorwarnung in die nächste Runde geht.

Und in dieser befasst sich Speedy Justice mit der Hypochondria (Hipochondrie) Einem Zustand in dem ein Individuum panische Angst davor hat, krank zu werden oder zu sein. Klänge des Industrial mit einer leichten Prise Noise kommen beim Sound der Nummer aus den Boxen, die hierbei mit 8-Bit Klängen und düsteren Synthesizern garniert wird und durch einen Facettenreichtum hinsichtlich des Arrangements und Sounddesings zum Ausdruck gebracht wird. Wenn man die Titel ließt und die Stücke auf dem Album I Love You anhört, so erzählen diese durchaus Geschichten, die komplett auf lyrische Inhalte verzichten können. Gegen Ende schaltet Hypochondria um und wird zum Speedmonster bei welchem wohl der Versuch unterneommen wurde, die Angst vor dem Platzen der Trommelfelle zu schüren. unter dem Beinamen Reimagined geht es dann mit einer stark Noise-lastigen Version von Panick Attack weiter ehe es dann mit Golden überraschend anders weitergeht. Einem Song der überrascht und mit einem klassischen Jazz Sound und einer Altherrenstimme aus den Boxen kommt. Jungle-Sounds leiten The First 72 Hours Homless ein und mal ehrlich? Obdachlos zu sein, ist massivst scheiße, Rhytmisch ethnische Klänge sugerieren hier ein Bild einer Jagd im freien Jungle, als welches man diese Lebensumstände auch bezeichnen könnte. Höchst Experimentelle Sounddesigns zieren hierbei das Arrangement. Mal Ethnoklänge, mal die Klänge einer Roland TR808 zieren das Arrangement, welches wild und wirr ineinander übergeht, ehe dann Alt-Sax Sounds und klassische Instrumentierungen mit gesampelten Electrosounds kombiniert werden.

Das surreal wirkende Rawhide kommt mit der gewohnten Noise Klangästhetik aus den Boxen, welche auch auf HiHowAreYou? zum tragen kommt und in diesem Falle klingt als würde man sich in einer Halle voller Maschinen, die ihren Dienst verrichten befinden. Just After Dark kommt dann trotz der leicht maschinellen Klangeffektierung eher sommerlich rüberkommt und wie der Name schon sagt, klingt wie der Sonntag nach der Dunkelheit. Colonial Pipeline ist ebenfalls wieder inspirierter Noise und im Anschluss darauf gibt es dann mit Quiescene erneut ein experimentelles Kunstwerk auf’s Ohr, bei dem man etwas ratlos zurückgelassen wird.

Mit dem letzten Titel Clinical Depression wird man nochmal daraufhingewiesen, wie schei*e Depressionen sind. ehe sich dann aus einem höchst experimentellen Album verabschiedet wird

Mehr zu Speedy Justice im Netz:

Speedy Justice bei Youtube:
https://www.youtube.com/channel/UC0BCuMLb1Pqzpqi1osdi6GA

Speedy Justice bei Apple Music anhören:
https://music.apple.com/artist/speedy-justice/1551842439

Speedy Justice bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/5wEqrzYt04B6g1z4587xK9

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